Zeitraum: 05. März – 11. März 2001
Sicherheit im Fokus: Das Erbe von Graham Beveridge Die zehnte Kalenderwoche des Jahres 2001 begann mit einer drückenden Atmosphäre. Während die Trümmer des BAR-Honda von Jacques Villeneuve in Melbourne noch untersucht wurden, trauerte das Fahrerlager um den Streckenposten Graham Beveridge. Der tragische Unfall in Runde fünf des Saisonauftakts hatte eine Debatte angestoßen, die weit über den rein sportlichen Aspekt hinausging. In den Fabriken in England und Italien wurden in dieser Woche die Daten der Radhalteseile (Tethers) analysiert. Die FIA signalisierte bereits frühzeitig, dass die Sicherheitsvorschriften für die Befestigung der Räder massiv verschärft werden müssten – ein direkter Reflex auf die Bilder des fliegenden Reifens, der den Fangzaun durchbrochen hatte. Es war eine Woche der Selbstreflexion für einen Sport, der sich oft für unverwundbar hielt.
Physische Extremerfahrung: Mission Sepang Doch der Formel-1-Zirkus kennt keinen Stillstand. Während die juristische Aufarbeitung in Australien lief, begann für die Piloten die physisch härteste Phase des Jahres. Die KW 10 markierte den Beginn der Akklimatisierung für den Großen Preis von Malaysia. Sepang galt 2001 als die ultimative Herausforderung für Mensch und Maschine: Temperaturen von über 35 Grad Celsius kombiniert mit einer Luftfeuchtigkeit von fast 90 Prozent.
Die Vorbereitung der Fahrer glich in dieser Woche medizinischen Belastungstests. Michael Schumacher, David Coulthard und der junge Nick Heidfeld verbrachten Stunden in Saunen und spezialisierten Klimakammern, um ihren Stoffwechsel auf den massiven Flüssigkeitsverlust vorzubereiten. Fitness war im Jahr 2001 längst kein Bonus mehr, sondern eine überlebenswichtige Komponente, um bei pulsierendem Jetlag und tropischer Hitze über 56 Runden die Konzentration zu halten.
Technik unter Druck: Das Michelin-Dilemma Hinter den Kulissen der Teams brodelte es technisch. Michelin, der große Rückkehrer der Saison, stand nach dem enttäuschenden Debüt in Australien unter massivem Zugzwang. Die Reifen der Franzosen hatten im Vergleich zu Bridgestone zu schnell abgebaut. In Clermont-Ferrand arbeiteten die Chemiker in der KW 10 in Sonderschichten an neuen Gummimischungen für den aggressiven Asphalt von Sepang. Williams-BMW und Benetton forderten lautstark Verbesserungen, um den Anschluss an Ferrari nicht bereits im März zu verlieren. Der „Reifenkrieg“ wurde in dieser Woche zu einer logistischen und technologischen Zerreißprobe.
Die neuen Fixsterne: Räikkönen und Alonso In der medialen Nachbetrachtung von Melbourne festigte sich zudem ein Bild: Der Generationenwechsel war in vollem Gange. Kimi Räikkönen, der „Iceman“, hatte mit seinem Punktgewinn beim Debüt die Zweifler in der FIA-Zentrale verstummen lassen. Peter Saubers Instinkt wurde in dieser Woche weltweit als Geniestreich gefeiert. Parallel dazu wuchs der Respekt für Fernando Alonso. Dass der Spanier den unterlegenen Minardi in Australien bis ins Ziel geprügelt hatte, ließ Experten bereits in der KW 10 über seine Zukunft bei den Top-Teams spekulieren. Die Formel 1 verließ Australien mit einem Gefühl der Melancholie, aber auch mit der Gewissheit, dass in Malaysia eine neue, hitzige Schlacht bevorstand.
