Zeitraum: 09. April – 15. April 2001 Ort: Autodromo Enzo e Dino Ferrari, San Marino Distanz: 62 Runden (305,609 km)
Die Rückkehr der Formel 1 nach Europa zur 15. Kalenderwoche des Jahres 2001 glich einem Hochamt des Motorsports. San Marino, das emotionale Epizentrum der Tifosi, erwartete nichts Geringeres als eine Fortsetzung des roten Siegeszugs. Doch unter der Oberfläche brodelte es. Das Fahrerlager war geprägt von hitzigen Debatten über die bevorstehende Legalisierung der Traktionskontrolle (ab dem nächsten Rennen in Spanien) und dem immensen Druck auf McLaren-Mercedes, die nach dem katastrophalen Saisonstart in Übersee unter Zugzwang standen.
Die Qualifikation: Ein silberner Stoß ins Herz der Tifosi
Der Samstag in Imola (14. April) war ein strategisches Pokerspiel. Michael Schumacher, beflügelt von der lautstarken Unterstützung der Tribünen, schien lange Zeit unantastbar. Doch in der entscheidenden Phase der Session demonstrierte David Coulthard die schiere Effizienz des McLaren-Mercedes MP4-16. Mit einer Zeit von 1:23,054 Minuten und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 213,822 km/h entriss er dem Weltmeister die Pole-Position um hauchdünne 0,228 Sekunden.
Hinter dem Führungsduo lauerte Ralf Schumacher im Williams-BMW. Die Zeit von 1:23,357 Minuten war ein klares Signal: Der BMW P80 Motor war auf den Bergauf-Passagen Richtung Rivazza die mächtigste Waffe im Feld. Dass Ralf seinen furchtlosen Teamkollegen Juan Pablo Montoya (Platz 7) distanzierte, unterstrich seine fahrerische Form an diesem Wochenende. Besonders bemerkenswert war das Mittelfeld: Jarno Trulli stellte den Jordan-Honda auf einen sensationellen fünften Platz und deklassierte damit Rubens Barrichello im zweiten Ferrari.
Der Rennsonntag: Der Blitzstart, der alles veränderte
Als am 15. April um 14:00 Uhr Ortszeit die Lichter der Startampel erloschen, erlebte Imola einen der spektakulärsten Starts der Saison. Während die V10-Motoren von Ferrari und McLaren einen Sekundenbruchteil zögerten, katapultierte sich Ralf Schumacher von Platz drei wie ein Projektil nach vorne. Noch vor dem Einlenken in die Tamburello-Schikane hatte er sowohl Coulthard als auch seinen Bruder Michael passiert.
Es war eine Demonstration technologischer Überlegenheit. Die Launch-Control des Williams-BMW FW23 funktionierte perfekt. Ralf Schumacher übernahm die Führung und begann sofort, sich vom Feld abzusetzen. Er fuhr in einer eigenen Welt, unbeeindruckt vom psychologischen Druck, den David Coulthard im Nacken aufzubauen versuchte.
Technik-Drama und das Ende der roten Träume
Während Ralf Schumacher an der Spitze einsam seine Kreise zog, spielten sich im Verfolgerfeld dramatische Szenen ab. Michael Schumacher, der verzweifelt versuchte, den Anschluss an Coulthard zu halten, kämpfte früh mit Handlingsproblemen. In Runde 20 zwang ihn ein schleichender Plattfuß vorne links zu einem unplanmäßigen Stopp. Die Mechaniker wechselten den Reifen, doch das Unheil nahm seinen Lauf. Nur vier Runden später brach eine Komponente an der vorderen Radaufhängung – das Aus für den Weltmeister beim Heimspiel.
In der Boxengasse herrschte Fassungslosigkeit. Maranello war gedemütigt. Michael Schumacher stieg schweigend aus seinem Boliden, während die Tifosi ihre Flaggen senkten. Das Rennen war für Ferrari jedoch noch nicht ganz verloren: Rubens Barrichello kämpfte sich nach vorne und lieferte sich ein rundenlanges Duell mit den McLaren-Mercedes.
Die Williams-Gala und das bittere Ende für Montoya
Juan Pablo Montoya, der nach dem Montoya-Beben in Brasilien als neuer Superstar galt, erlebte ein schwieriges Wochenende. Obwohl er im Rennen zeitweise das Tempo der Spitze mitgehen konnte, machten ihm Kupplungsprobleme zu schaffen. In Runde 48 musste er seinen Williams-BMW in der Boxengasse abstellen.
An der Spitze blieb Ralf Schumacher jedoch eine festungsgleiche Konstante. Er kontrollierte das Tempo und reagierte auf Coulthards Angriffe nur, wenn es absolut notwendig war. Seine schnellste Runde von 1:25,524 Minuten (Runde 27) unterstrich, dass er zu jedem Zeitpunkt Reserven hatte.
Der Zieleinlauf: Ein historischer Meilenstein
Nach 62 Runden sah Ralf Schumacher die schwarz-weiß-karierte Flagge. Es war sein erster Sieg im 70. Grand Prix – und ein historischer Moment für BMW. Es war der erste Sieg für das bayrische Werk seit deren Rückkehr in die Formel 1 und der erste Erfolg für das Team Williams seit Jerez 1997.
David Coulthard überquerte die Linie als Zweiter (+4,352 Sekunden), was ihn in der Fahrerwertung punktgleich mit Michael Schumacher (beide 26 Punkte) an die Spitze katapultierte. Rubens Barrichello rettete mit Platz drei die Ehre von Ferrari, während Mika Häkkinen mit einem vierten Platz zwar Punkte sammelte, aber im WM-Kampf bereits jetzt hoffnungslos abgeschlagen wirkte.
Historische Einordnung: Ein Familienduell der Superlative
Imola 2001 ging als das Wochenende in die Geschichte ein, an dem die Schumacher-Brüder endgültig die Weltspitze unter sich aufteilten. Zwar blieb das historische „Brüder-Doppel“ in der ersten Startreihe an diesem Wochenende noch aus (Michael 2., Ralf 3.), doch das Rennen zementierte Ralfs Status als absolutem Top-Fahrer.
Für Sauber-Petronas war Imola ein Dämpfer nach dem Podest in Brasilien: Nick Heidfeld schied in Runde 22 aus, während Kimi Räikkönen nach einem Lenkungsschaden in Runde 17 den Wagen in der Mauer versenkte. Jarno Trulli hingegen bestätigte mit Platz 5 die aufsteigende Form von Jordan-Honda.
Das Fazit dieses Wochenendes war klar: Die Formel 1 war in Europa angekommen – und Williams-BMW war bereit, die Herrschaft von Ferrari zu beenden.
Grand Prix von San Marino 2001
| Pos | Fahrer | Team | Zeit |
|---|---|---|---|
| 1 | D. Coulthard | McLaren | 1:23.054 |
| 2 | M. Schumacher | Ferrari | 1:23.282 |
| 3 | R. Schumacher | Williams | 1:23.357 |
| 4 | M. Häkkinen | McLaren | 1:23.807 |
| 5 | J. Trulli | Jordan | 1:23.893 |
| 6 | R. Barrichello | Ferrari | 1:24.041 |
| 7 | J.P. Montoya | Williams | 1:24.141 |
| 8 | O. Panis | BAR | 1:24.213 |
| 9 | H. Frentzen | Jordan | 1:24.427 |
| 10 | K. Räikkönen | Sauber | 1:24.671 |
| 11 | J. Villeneuve | BAR | 1:24.769 |
| 12 | N. Heidfeld | Sauber | 1:25.007 |
| 13 | E. Irvine | Jaguar | 1:25.392 |
| 14 | J. Alesi | Prost | 1:25.411 |
| 15 | L. Burti | Jaguar | 1:25.572 |
| 16 | E. Bernoldi | Arrows | 1:25.872 |
| 17 | J. Verstappen | Arrows | 1:26.062 |
| 18 | F. Alonso | Minardi | 1:26.855 |
| 19 | G. Fisichella | Benetton | 1:26.919 |
| 20 | J. Button | Benetton | 1:27.030 |
| 21 | T. Marques | Minardi | 1:27.239 |
| 22 | G. Mazzacane | Prost | 1:27.750 |
| Pos | Fahrer | Team | Zeit / Status |
|---|---|---|---|
| 1 | R. Schumacher | Williams | 1:30:44.817 |
| 2 | D. Coulthard | McLaren | +4.352 |
| 3 | R. Barrichello | Ferrari | +34.766 |
| 4 | M. Häkkinen | McLaren | +36.315 |
| 5 | J. Trulli | Jordan | +1:25.558 |
| 6 | H. Frentzen | Jordan | +1 Rd. |
| 7 | O. Panis | BAR | +1 Rd. |
| 8 | J. Alesi | Prost | +1 Rd. |
| 9 | E. Irvine | Jaguar | +1 Rd. |
| 10 | J. Verstappen | Arrows | +2 Rd. |
| DNF | J.P. Montoya | Williams | Rd. 48 (Kupplung) |
| DNF | E. Bernoldi | Arrows | Rd. 40 (Motor) |
| DNF | M. Schumacher | Ferrari | Rd. 24 (Aufhängung) |
| DNF | J. Villeneuve | BAR | Rd. 21 (Motor) |
| DNF | N. Heidfeld | Sauber | Rd. 22 (Getriebe) |
| DNF | K. Räikkönen | Sauber | Rd. 17 (Lenkung) |
| DNF | J. Button | Benetton | Rd. 15 (Motor) |
| DNF | T. Marques | Minardi | Rd. 12 (Motor) |
| DNF | L. Burti | Jaguar | Rd. 2 (Kollision) |
| DNF | F. Alonso | Minardi | Rd. 0 (Bremsen) |
Pole Position
D. Coulthard (1:23.054)Rennsieger
Ralf Schumacher (Williams)Schnellste Runde
Ralf Schumacher (1:25.524)Führungsrunden
Ralf Schumacher (62 von 62)| Pos | Fahrer | Zeit | Rd. |
|---|---|---|---|
| 1 | R. Schumacher | 1:25.524 | 27 |
| 2 | D. Coulthard | 1:25.864 | 27 |
| 3 | R. Barrichello | 1:26.505 | 25 |
| 4 | M. Häkkinen | 1:26.559 | 27 |
| 5 | J. Trulli | 1:26.790 | 25 |
| … | Fortsetzung Feld (22 Fahrer) |
Fahrer
1. M. Schumacher (26)2. D. Coulthard (26)
3. R. Barrichello (14)
Konstrukteure
1. Ferrari (40)2. McLaren (30)
3. Williams (13)
