Zeitraum: 11. Juni – 17. Juni 2001
Die 24. Kalenderwoche des Jahres 2001 stand ganz im Zeichen des großen Rückkehr-Mandschftsflugs aus Übersee und der mentalen Vorbereitung auf den Großen Preis von Europa. Nach dem sensationellen Doppelsieg der Schumacher-Brüder in Montreal war die Formel-1-Euphorie in Deutschland auf einem neuen Siedepunkt angelangt. Der Nürburgring meldete für das kommende Wochenende restlos ausverkaufte Tribünen. Doch bevor die ersten V10-Motoren in der Eifel aufheulten, bestimmten heftige Vertragsverhandlungen und politische Ränkespiele die rennfreie Zeit dieser Woche.
Das Pokerspiel um Jacques Villeneuve und Heinz-Harald Frentzen
In den Tagen nach dem Kanada-Rennen rauchten im Fahrerlager die Köpfe der Manager. Das beherrschende Thema der KW 24 war die Zukunft von Jacques Villeneuve. Der Ex-Weltmeister stand bei BAR-Honda unter Druck, und es sickerte durch, dass Flavio Briatore intensiv versuchte, den Kanadier für das Jahr 2002 zu Benetton (dem zukünftigen Renault-Werksteam) zu lotsen. Villeneuve forderte angeblich ein astronomisches Gehalt von 15 Millionen Dollar – ein Pokerspiel, das die Silly Season frühzeitig anheizte.
Gleichzeitig gab es in dieser Woche Wirbel um Heinz-Harald Frentzen. Nach seinem verletzungsbedingten Ausfall in Monaco und dem schweren Stand bei Jordan-Honda machten Gerüchte die Runde, dass das Verhältnis zwischen Frentzen und Teamchef Eddie Jordan irreparabel beschädigt sei. Frentzen nutzte die KW 24 für intensive Fitnesstests, um rechtzeitig für sein Heimrennen auf dem Nürburgring grünes Licht von den FIA-Ärzten zu erhalten.
Williams-BMW: Die Jagd nach dem Nürburgring-Erfolg
In Grove und München wurde in dieser Woche mit geschwollener Brust gearbeitet. Der Triumph von Ralf Schumacher in Montreal hatte bewiesen, dass der FW23 auf Strecken, die dem Motor alles abverlangen, kaum zu schlagen war. In der KW 24 konzentrierten sich die BMW-Ingenieure darauf, das Ansprechverhalten des P80-Motors für den kurvigeren Nürburgring zu optimieren. Ralf Schumacher galt in den Medien plötzlich als der schärfste Herausforderer seines großen Bruders für das Heimspiel in der Eifel. Juan Pablo Montoya nutzte die Woche, um seinen Montreal-Unfall abzuhaken. Der Kolumbianer reiste mit der klaren Absicht an, am Nürburgring seine ersten Führungsrunden auf europäischem Boden zu drehen.
Ferrari und der Kampf gegen das Eifelwetter
Bei Ferrari herrschte trotz der komfortablen WM-Führung von Michael Schumacher (18 Punkte Vorsprung auf David Coulthard) eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre. In Fiorano wurden in der KW 24 eilig Testrunden absolviert, um die Bremsbelüftungen, die in Kanada so arg gelitten hatten, neu zu kalibrieren. Das größte Kopfzerbrechen bereitete Ross Brawn jedoch die unberechenbare Wetterlage in der Eifel. Für das kommende Wochenende waren kühle Temperaturen und die typischen Eifel-Regenschauer vorhergesagt. Da Michelin bei kühleren Bedingungen im Frühjahr bereits starke Leistungen gezeigt hatte, stand Bridgestone unter Zugzwang, für Michael Schumacher rechtzeitig die passenden Reifenmischungen auszuwählen.
Sauber-Petronas: Der Hype um die „jungen Wilden“
Nach dem sensationellen vierten Platz von Kimi Räikkönen in Kanada stand das Sauber-Team in der KW 24 im Fokus der internationalen Fachpresse. Peter Sauber musste in dieser Woche fast täglich Interviews geben, um den Erfolg seines Teams zu erklären. Der Hype um Räikkönen und Nick Heidfeld war enorm. Beide Piloten nutzten die rennfreie Zeit für regenerative Einheiten und Videostudien des Nürburgrings. Man war sich im klaren, dass der C20 auch in der Eifel für eine Überraschung gut sein würde, wenn das unberechenbare Wetter das Klassement durcheinanderwirbelte.
