Zeitraum: 19. März – 25. März 2001
Logistik der Superlative: Von den Tropen in den Kessel von São Paulo Die zwölfte Kalenderwoche des Jahres 2001 markierte einen der kräftezehrendsten Abschnitte im F1-Kalender. Unmittelbar nach dem Doppelsieg von Ferrari in Sepang begann die gewaltige Verladungsaktion. Tonnenweise Material – von den hochkomplexen V10-Motoren bis hin zu den mobilen Hospitality-Einheiten – mussten binnen weniger Tage von Malaysia nach Brasilien transportiert werden. Für die Logistik-Teams bedeutete KW 12 den Kampf gegen die Uhr und den Jetlag. Während die Mechaniker in São Paulo bereits die Boxen im Autódromo José Carlos Pace vorbereiteten, nutzten die Ingenieure in den Fabriken in England und Italien die Zeit, um die Daten aus den ersten beiden Übersee-Rennen zu korrelieren.
Der „Antidote“-Faktor: Juan Pablo Montoya im Fokus Obwohl Michael Schumacher mit der Maximalpunktzahl von 20 Zählern die Tabelle anführte, galt das mediale Interesse in dieser Woche vor allem einem Mann: Juan Pablo Montoya. Der Kolumbianer hatte in Malaysia zwar erneut Pech, doch seine fahrerische Aggressivität und seine Unerschrockenheit ließen das Fahrerlager aufhorchen. In den Gazetten wurde Montoya bereits als das „Antidot“ zu Schumachers Dominanz gehandelt. In der KW 12 bereiteten die Williams-BMW-Ingenieure ein umfangreiches Motoren-Update vor. Die Erkenntnis war gereift: Der BMW P80 war auf den Geraden das Maß der Dinge, doch in den kurvigen Passagen von Interlagos würde es auf das Zusammenspiel mit den Michelin-Reifen ankommen.
Interlagos: Die Rückkehr der „Bumps“ Die Vorbereitung auf Brasilien ist traditionell eine Vorbereitung auf physische Schmerzen. Interlagos war 2001 berüchtigt für seine Bodenwellen und den Umstand, dass gegen den Uhrzeigersinn gefahren wird. In der KW 12 absolvierten die Piloten spezielle Nackentrainings, um der ungewohnten Belastung standzuhalten. Technisch gesehen war die Strecke in São Paulo ein Rätsel: Man benötigt maximalen Abtrieb für den kurvigen Mittelteil (Infield), darf aber auf der langen Bergauf-Zielgeraden keinen zu hohen Luftwiderstand haben.
Michelin schöpft Hoffnung Für den Reifenhersteller Michelin war die zwölfte Woche eine Phase der intensiven Analyse. Die Intermediates hatten in Sepang zwar gegen Bridgestone verloren, doch die Trocken-Performance des Williams ließ darauf schließen, dass der französische Pneu auf dem rauen Asphalt von Brasilien einen Vorteil haben könnte. In Clermont-Ferrand wurden in dieser Woche die Chargen für Südamerika selektiert. Die Hoffnung bei Williams und Benetton war groß: Wenn die Temperaturen in São Paulo steigen, könnte Michelin den entscheidenden Vorteil gegenüber den konservativeren Bridgestone-Reifen von Ferrari und McLaren haben.
Fazit der Woche Die KW 12 war die Ruhe vor dem nächsten Beben. Die Formel 1 befand sich im Transit. Ferrari wirkte unverwundbar, doch unter der Oberfläche brodelte es. Das Montoya-Fieber erfasste Südamerika, und die Vorzeichen standen auf Konfrontation. In São Paulo wartete ein Kurs, der Fehler gnadenlos bestraft und Helden gebiert – die Bühne für das nächste Kapitel war bereitet.
Grand Prix Vorschau: Brasilien
| 1 | M. Schumacher (Ferrari) | 20 Pkt. |
| 2 | D. Coulthard (McLaren) | 10 Pkt. |
| 3 | R. Barrichello (Ferrari) | 10 Pkt. |
| 4 | N. Heidfeld (Sauber) | 7 Pkt. |
| 5 | H. Frentzen (Jordan) | 5 Pkt. |
Länge: 4,309 km | Runden: 71
Besonderheit: Gegen den Uhrzeigersinn, extreme Bodenwellen.
Rekordsieger (bis 2001): Michael Schumacher (3 Siege).
