Zeitraum: 12. Februar – 18. Februar 2001
Die Ruhe vor dem globalen Sturm In der Woche vom 12. bis 18. Februar 2001 kehrt auf den Rennstrecken Europas eine gespenstische Ruhe ein. Das Heulen der V10-Motoren ist verstummt, die Wintertests in Barcelona, Jerez und Estoril sind offiziell beendet. Doch wer glaubt, die Formel-1-Teams hätten frei, der irrt gewaltig. Die KW 07 ist die Woche der Logistiker. Der „F1-Zirkus“ bereitet den größten Umzug des Jahres vor. Alles muss nach Australien. In den Fabriken in Woking, Maranello und Brackley werden Ersatzteile in Noppenfolie gewickelt, Chassis verladen und Motoren versiegelt. Es ist der Moment, in dem aus Ingenieurskunst Frachtgut wird. Ein vergessenes Bauteil kann in Melbourne den Sieg kosten.
Benettons Sorgenkind: Der Weitwinkel-Motor Während Ferrari und McLaren relativ entspannt ihre Kisten packen, brennt bei Benetton-Renault der Baum. Die Testfahrten der letzten Wochen haben eine grausame Wahrheit offenbart: Der revolutionäre Renault-V10 mit dem extremen 111-Grad-Zylinderbankwinkel ist zwar aerodynamisch genial flach, aber ihm fehlt Power – und schlimmer noch: Zuverlässigkeit. Flavio Briatore gibt sich kämpferisch, doch die Körpersprache der Piloten Fisichella und Button verrät Skepsis. Die Angst vor der Blamage reist mit im Frachtcontainer.
Minardis Wettlauf gegen die Uhr Das größte Drama der KW 07 spielt sich jedoch in Faenza ab. Während andere Teams ihre Autos bereits am Flughafen abgeben, schraubt Minardi noch immer. Paul Stoddarts Übernahme ist frisch, aber Zeit kann man nicht kaufen. Die Mechaniker arbeiten in 24-Stunden-Schichten. Das Ziel: Die Autos müssen irgendwie in den „Jumbo“ nach Melbourne. Fernando Alonso, der Rookie, verbringt diese Woche fast komplett in der Fabrik für Sitzanpassungen. Er weiß: Seine ersten echten Runden wird er erst im freien Training in Australien drehen.
