Zeitraum: 16. April – 22. April 2001
Der Geist aus der Flasche: Die Rückkehr der Traktionskontrolle Die 16. Kalenderwoche des Jahres 2001 wird in die Geschichtsbücher als die Woche eingehen, in der die Formel 1 offiziell „digitaler“ wurde. Nach jahrelangen Diskussionen, Vorwürfen des Betrugs und der Unmöglichkeit für die FIA, versteckte Systeme lückenlos zu kontrollieren, fiel die endgültige Entscheidung: Ab dem Großen Preis von Spanien (KW 17) sind Traktionskontrolle, Launch-Control und vollautomatische Getriebe wieder legal. In den Fabriken in Woking, Maranello und Grove glühten in dieser Woche die Server. Die Software-Ingenieure waren plötzlich wichtiger als die Aerodynamiker. Es galt, die komplexen Algorithmen so zu kalibrieren, dass sie die gewaltige Kraft der V10-Motoren (knapp 850 PS) optimal auf den Asphalt brachten, ohne die Reifen zu überhitzen.
Test-Marathon in Europa: Silverstone und Mugello im Fokus Während die PR-Abteilungen die Rückkehr der Fahrhilfen als „Sicherheitsgewinn“ verkauften, wurde auf den Rennstrecken knallhart gearbeitet. Bei den Testfahrten in Silverstone dominierten McLaren-Mercedes und Williams-BMW das Geschehen. David Coulthard und Mika Häkkinen spulten hunderte Kilometer ab, um die neue Elektronik von Mercedes-Benz zu testen.
Williams-BMW hingegen, beflügelt vom Sieg in Imola, fokussierte sich auf die Optimierung der Launch-Control. Beobachter am Streckenrand berichteten von „perfekten Katapultstarts“, bei denen der FW23 ohne jegliches Reifenquietschen aus dem Stand beschleunigte. Ferrari hingegen zog sich nach Mugello zurück. Michael Schumacher testete dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit neue Software-Iterationen des F2001. Die Stimmung bei den Roten war nach dem Nuller von Imola konzentriert, fast schon verbissen. Man wollte in Barcelona zeigen, dass Ferrari auch im digitalen Zeitalter die Benchmark setzt.
Der Michelin-Vorteil: Eine neue Reifen-Ära? Ein weiteres großes Thema der KW 16 war die Analyse der Reifen-Performance. Der Sieg von Ralf Schumacher in Imola hatte bewiesen, dass Michelin auf bestimmten Streckentypen einen deutlichen Vorteil gegenüber Bridgestone erarbeitet hatte. In dieser Woche bereiteten die französischen Reifenbäcker spezielle Mischungen für den extrem reifenfressenden Kurs in Barcelona vor. Bridgestone stand unter massivem Druck von Ferrari, da Michael Schumacher befürchtete, im direkten Duell mit McLaren und Williams durch zu hohen Verschleiß ins Hintertreffen zu geraten.
Finanzielle Gewitterwolken bei den Privatteams Abseits der technologischen Schlagzeilen wurde in der KW 16 auch über die finanzielle Stabilität der kleineren Teams diskutiert. Alain Prost kämpfte verzweifelt um Sponsorengelder für sein Team, während bei Minardi die ersten Stimmen laut wurden, dass das Budget für die europäische Saison extrem knapp kalkuliert sei. Die Kluft zwischen den „Big Three“ (Ferrari, McLaren, Williams) und dem Rest des Feldes drohte durch die hohen Entwicklungskosten für die neue Elektronik noch weiter aufzureißen.
KW 16: Die digitale Revolution
Traktionskontrolle
Legal ab Barcelona. Software-Mapping wird zum entscheidenden Faktor für Reifenmanagement.
Launch Control
Automatisierte Startvorgänge. Erwartete Reduzierung von „Stalled Cars“ am Startplatz.
Elektronik-Krieg
McLaren & Ferrari mit hochkomplexen Systemen. Williams setzt auf BMW-Motormanagement.
| Strecke | Fokus | Top-Teams |
|---|---|---|
| Silverstone | Aerodynamik & TC | McLaren, Williams, Jordan |
| Mugello | Software-Finetuning | Ferrari |
| Fiorano | System-Check | Ferrari (Badoer) |
*Inoffizielle Zeiten deuten auf extrem knappe Abstände zwischen DC und Ralf hin.
| 1. Michael Schumacher | 26 Pkt. |
| 1. David Coulthard | 26 Pkt. |
| 3. Rubens Barrichello | 14 Pkt. |
| 4. Ralf Schumacher | 12 Pkt. |
