Zeitraum: 21. Mai – 27. Mai 2001
Ort: Circuit de Monaco, Monte Carlo
Distanz: 78 Runden (262,860 km)
Die 21. Kalenderwoche des Jahres 2001 führte den Formel-1-Tross zum unumstrittenen Saisonhöhepunkt in den engen Leitplankendschungel von Monte Carlo. Nach den psychologischen Scharmützeln und der Stallorder-Debatte der Vorwoche sollte das Fürstentum die sportliche Antwort liefern. Monaco verlangte 2001 von den Piloten absolute Perfektion – ein einziger Millimeter zu nah an den unnachgiebigen Leitplanken bei Sainte-Dévote oder im Schwimmbad-Abschnitt bedeutete das sofortige Ende aller Hoffnungen. Es wurde ein Wochenende, das den WM-Kampf psychologisch auf den Kopf stellte.
Die Qualifikation: Coulthards Traumrunde und das erste Aufatmen bei Häkkinen
Der Samstag (26. Mai) entwickelte sich zu dem erwartet nervenzerreißenden Krimi. Da Überholen im modernen Monaco auf der Strecke nahezu unmöglich war, glich das Zeittraining bereits dem halben Rennen. David Coulthard, der nach seinem Spielberg-Sieg mit breiter Brust anreiste, lieferte im McLaren-Mercedes eine absolute Meisterleistung ab. Mit einer Fabelzeit von 1:17,430 Minuten (Schnitt: 156,761 km/h) deklassierte er die Konkurrenz und sicherte sich die Pole-Position.
Michael Schumacher, der alles riskierte und seinen Ferrari F2001 zentimeterfern an den Mauern vorbeipeitschte, musste sich mit Rang zwei begnügen – ihm fehlten winzige 0,201 Sekunden auf den Schotten. Doch die eigentliche Erleichterung war in der Box nebenan zu spüren: Mika Häkkinen meldete sich mit Startplatz drei eindrucksvoll zurück. In der zweiten Startreihe lauerte zudem Rubens Barrichello im zweiten Ferrari, während Ralf Schumacher im Williams-BMW auf Platz fünf bereits über eine Sekunde Rückstand aufwies. Der FW23 litt sichtlich unter der extremen Kurvencharakteristik, die dem bärenstarken BMW-Zehnzylinder seine größte Waffe – die pure Höchstgeschwindigkeit – raubte.
Der Start: Das Drama in der Einführungsrunde
Der Rennsonntag (27. Mai) hielt das wohl grausamste Schicksal der gesamten Saison 2001 für den Pole-Setter bereit. Als die Teams die Reifenwärmer abnahmen und das Signal zur Einführungsrunde gegeben wurde, blieb der McLaren-Mercedes von David Coulthard wie angewurzelt stehen. Das Launch-Control-System hatte aufgrund eines Software-Fehlers den Motor abgewürgt. Während das Feld an ihm vorbeizog, wedelten die Mechaniker verzweifelt mit den Armen.
Coulthard wurde an das Ende der Startaufstellung geschoben. Die Pole-Position war wertlos, das Rennen um den Sieg für den Schotten gelaufen, noch bevor die Ampeln erloschen waren. Es war ein herber Rückschlag für McLaren im Kampf um die Weltmeisterschaft, der die Diskussionen um die Fehleranfälligkeit der legalisierten Fahrhilfen erneut anheizte.
Michael Schumacher erbte dadurch freie Bahn auf der Linie. Als der eigentliche Start freigegeben wurde, nutzte der Weltmeister die Traktionskontrolle seines Ferraris perfekt, zog vor Häkkinen in die Sainte-Dévote-Kurve ein und übernahm die Führung.
Häkkinens schwarze Serie reißt nicht ab
Häkkinen heftete sich sofort an Schumachers Fersen und hielt das Tempo des Führenden im ersten Stint mühelos. Es entwickelte sich das klassische Monaco-Duell der beiden zweifachen Weltmeister. Doch das Pech des finnischen McLaren-Piloten sollte an diesem Nachmittag eine Fortsetzung finden. In Runde 13 begann der MP4-16 plötzlich merkwürdig zu tänzeln – ein mechanisches Problem an der Radaufhängung (vorne rechts) zwang Häkkinen zu einem unplanmäßigen Boxenstopp.
Die McLaren-Mechaniker überprüften das Auto, schickten ihn wieder auf die Strecke, doch das Handling war katastrophal. In Runde 15 stellte der sichtlich frustrierte Finne seinen Wagen endgültig in der Garage ab. Nach dem Last-Lap-Drama von Barcelona war dies der nächste herbe Nackenschlag für Häkkinen, dessen Titelträume 2001 endgültig im Hafen von Monaco versanken.
Schumachers Soloflug und der „Bernoldi-Stau“
Nach Häkkinens Ausfall war der Weg frei für eine rote Demonstration der Stärke. Michael Schumacher kontrollierte das Rennen von der Spitze aus nach Belieben. Er fuhr fehlerfrei, sparte Material und baute einen komfortablen Vorsprung auf seinen Teamkollegen Rubens Barrichello auf.
Das eigentliche Spektakel spielte sich jedoch im Mittelfeld ab und lieferte den Aufreger des Rennens. David Coulthard, der sich wütend von Platz 22 nach vorne kämpfte, lief in Runde 26 auf den Arrows-Asiatech des brasilianischen Rookies Enrique Bernoldi auf. Was folgte, war ein 45 Runden langes, psychologisches Duell. Bernoldi nutzte die Breite seines Wagens und die Unmöglichkeit des Überholens in Monaco gnadenlos aus. Coulthard, im weitaus schnelleren McLaren, fand keinen Weg vorbei. McLaren-Teamchef Ron Dennis tobte am Boxenstand und warf Arrows später mangelnden Sportsgeist vor, doch Bernoldi hielt sich strikt an die Regeln: Er verteidigte seine Position sauber. Erst als Bernoldi in Runde 71 zu seinem regulären Tankstopp abbiegen musste, war der Weg für Coulthard frei. Er rettete am Ende nach einer heroischen Aufholjagd als Sechster immerhin noch einen WM-Punkt.
Der Zieleinlauf: Roter Doppelsieg und Eddie Irvines Sternstunde
Nach 78 kräftezehrenden Runden überquerte Michael Schumacher die Ziellinie als triumphaler Sieger. Es war sein fünfter Triumph im Fürstentum, womit er in der ewigen Bestenliste mit dem legendären Graham Hill gleichzog. Rubens Barrichello machte den totalen Triumph für die Scuderia Ferrari als Zweiter (+43,151 Sekunden) perfekt – ein wichtiges Ergebnis für die Harmonie im Team nach dem Stallorder-Beben von Spielberg.
Die Sensation des Tages feierte jedoch ein Nordire: Eddie Irvine fuhr im Jaguar-Cosworth ein fehlerfreies, taktisch kluges Rennen und sicherte dem Raubkatzen-Team mit Platz drei das erste Podium der Teamgeschichte seit dem Einstieg im Jahr 2000. Das Podium glich einer emotionalen Erlösung für den exzentrischen Irvine, der damit bewies, dass er im Leitplankendschungel immer noch zu den Instinktfahrern gehörte.
Die weiteren Punkteplätze sicherten sich Jacques Villeneuve im BAR-Honda auf Platz vier, David Coulthard auf Platz fünf (nach der nachträglichen Bereinigung des Trulli-Ausfalls) und Jean Alesi, der im unterlegenen Prost-Acer mit Platz sechs den ersten, umjubelten WM-Punkt für das Team von Alain Prost in der Saison 2001 einfuhr.
Die Debütanten im Leitplankendschungel
Monaco 2001 war auch die Reifeprüfung für die jungen Stars. Kimi Räikkönen lieferte im Sauber-Petronas erneut eine reife Leistung ab, verpasste die Punkte als Zehnter nach einem ungeplanten Stopp wegen eines defekten Radsensors zwar knapp, hielt das Auto aber über die gesamte Distanz schadensfrei auf der Strecke. Fernando Alonso zeigte im Minardi ebenfalls seine Klasse: Er peitschte den unterlegenen Wagen im Qualifying auf Platz 18 und hielt im Rennen lange Zeit Anschluss an das Mittelfeld, bevor ein Getriebeschaden in Runde 54 seine Monaco-Premiere vorzeitig beendete.
Fazit und WM-Stand nach der KW 21
Mit diesem Sieg vollzog Michael Schumacher einen riesigen Schritt in Richtung Titelverteidigung. Er baute seine Führung in der Weltmeisterschaft auf 52 Punkte aus, während David Coulthard bei 40 Zählern stagnierte. In der Konstrukteurswertung zog Ferrari mit 76 Punkten einsam an der Spitze davon, weit vor McLaren-Mercedes (44 Punkte).
Monaco 2001 bewies einmal mehr die unbarmherzige Härte des Motorsports: Wo ein Softwarefehler in der Einführungsrunde Träume zerstört und mechanische Präzision über den Triumph von Legenden entscheidet.
Großer Preis von Monaco 2001
| Pos | Fahrerschlumpf | Zeit | |
|---|---|---|---|
| 1 | D. Coulthard | 1:17.430 | |
| 2 | M. Schumacher | 1:17.631 | |
| 3 | M. Häkkinen | 1:17.749 | |
| 4 | R. Barrichello | 1:17.856 | |
| 5 | R. Schumacher | 1:18.729 | |
| 6 | E. Irvine | Jaguar | 1:18.748 |
| 7 | J.P. Montoya | Williams | 1:18.751 |
| 8 | J. Trulli | Jordan | 1:18.921 |
| 9 | J. Villeneuve | BAR | 1:19.063 |
| 10 | G. Fisichella | Benetton | 1:19.220 |
| 11 | J. Alesi | Prost | 1:19.245 |
| 12 | O. Panis | BAR | 1:19.294 |
| 13 | H. Frentzen | Jordan | 1:19.316 |
| 14 | K. Räikkönen | Sauber | 1:19.454 |
| 15 | P. de la Rosa | Jaguar | 1:20.107 |
| 16 | N. Heidfeld | Sauber | 1:20.249 |
| 17 | J. Button | Benetton | 1:20.314 |
| 18 | F. Alonso | Minardi | 1:20.788 |
| 19 | J. Verstappen | Arrows | 1:20.823 |
| 20 | E. Bernoldi | Arrows | 1:21.336 |
| 21 | T. Marques | Minardi | 1:22.201 |
| 22 | L. Burti | Prost | 1:22.214 |
| Pos | Fahrer | Team | Zeit / Status |
|---|---|---|---|
| 1 | M. Schumacher | Ferrari | 1:47:24.018 |
| 2 | R. Barrichello | Ferrari | +43.151 |
| 3 | E. Irvine | Jaguar | +1:00.626 |
| 4 | J. Villeneuve | BAR | +1:19.431 |
| 5 | D. Coulthard | McLaren | +1 Rd. |
| 6 | J. Alesi | Prost | +1 Rd. |
| 7 | J. Button | Benetton | +1 Rd. |
| 8 | J. Verstappen | Arrows | +1 Rd. |
| 9 | E. Bernoldi | Arrows | +2 Rd. |
| 10 | K. Räikkönen | Sauber | +5 Rd. |
| DNF | J. Trulli | Jordan | Hydraulik (Rd. 75) |
| DNF | T. Marques | Minardi | Getriebe (Rd. 56) |
| DNF | F. Alonso | Minardi | Getriebe (Rd. 54) |
| DNF | R. Schumacher | Williams | Elektronik (Rd. 52) |
| DNF | G. Fisichella | Benetton | Unfall (Rd. 43) |
| DNF | H. Frentzen | Jordan | Unfall (Rd. 49) |
| DNF | L. Burti | Prost | Getriebe (Rd. 24) |
| DNF | J.P. Montoya | Williams | Unfall (Rd. 2) |
| DNF | M. Häkkinen | McLaren | Aufhängung (Rd. 15) |
| DNF | O. Panis | BAR | Lenkung (Rd. 13) |
| DNF | P. de la Rosa | Jaguar | Hydraulik (Rd. 18) |
| DNF | N. Heidfeld | Sauber | Unfall (Rd. 16) |
| Pos | Fahrer | Zeit | Runde |
|---|---|---|---|
| 1 | D. Coulthard | 1:19.424 | 68 |
| 2 | M. Schumacher | 1:19.464 | 53 |
| 3 | R. Barrichello | 1:20.101 | 52 |
| 4 | E. Irvine | 1:20.192 | 54 |
| 5 | J. Trulli | 1:20.306 | 52 |
| 6 | J. Villeneuve | 1:20.803 | 53 |
| 7 | J. Alesi | 1:20.838 | 54 |
| 8 | R. Schumacher | 1:21.054 | 48 |
| 9 | H. Frentzen | 1:21.168 | 47 |
| 10 | J. Verstappen | 1:21.439 | 53 |
| 11 | E. Bernoldi | 1:21.650 | 51 |
| 12 | J. Button | 1:21.848 | 52 |
| 13 | G. Fisichella | 1:21.907 | 38 |
| 14 | K. Räikkönen | 1:21.914 | 71 |
| 15 | M. Häkkinen | 1:22.049 | 11 |
| 16 | F. Alonso | 1:22.381 | 50 |
| 17 | T. Marques | 1:23.511 | 51 |
| 18 | O. Panis | 1:23.639 | 11 |
| 19 | L. Burti | 1:23.774 | 22 |
| 20 | P. de la Rosa | 1:24.011 | 12 |
| 21 | N. Heidfeld | 1:24.316 | 15 |
| 22 | J.P. Montoya | 1:24.882 | 2 |
Fahrer-WM
| 1. M. Schumacher | 52 |
| 2. D. Coulthard | 40 |
| 3. R. Barrichello | 24 |
| 4. R. Schumacher | 12 |
| 5. N. Heidfeld | 8 |
| 6. J. Villeneuve | 7 |
| 7. J. Trulli | 7 |
| 8. J.P. Montoya | 6 |
| 9. H. Frentzen | 6 |
| 10. O. Panis | 5 |
| 11. E. Irvine | 4 |
| 12. K. Räikkönen | 4 |
| 13. G. Fisichella | 1 |
| 14. J. Alesi | 1 |
Konstrukteure
| 1. Ferrari | 76 |
| 2. McLaren-Mercedes | 44 |
| 3. Williams-BMW | 18 |
| 4. Jordan-Honda | 13 |
| 5. Sauber-Petronas | 12 |
| 6. BAR-Honda | 12 |
| 7. Jaguar-Cosworth | 4 |
| 8. Benetton-Renault | 1 |
| 9. Prost-Acer | 1 |
| 10. Arrows-Asiatech | 0 |
| 11. Minardi-European | 0 |
