Wenn europäische Motorsportfans an die letzte Stufe vor der Formel 1 denken, fällt meist sofort der Name der Formel 2. Doch am anderen Ende der Welt, im Land der aufgehenden Sonne, existiert eine Rennserie, die in Sachen purer Geschwindigkeit, technischer Finesse und fahrerischem Anspruch der Königsklasse oft näher kommt als alles andere: die Super Formula. Was lange Zeit als eine rein japanische Angelegenheit galt, hat sich über die Jahrzehnte zu einem entscheidenden Schmelztiegel für internationale Top-Talente entwickelt. Die Saison 2026 verspricht dabei, eine der spektakulärsten der Geschichte zu werden – nicht zuletzt wegen eines Mannes, der eigentlich auf Schotter und Eis zu Hause ist: Kalle Rovanperä.

Die schnellsten Autos nach der Formel 1

Um die Faszination der Super Formula zu verstehen, muss man einen Blick auf das Arbeitsgerät werfen. Die Serie nutzt ein Einheitschassis von Dallara (aktuell der SF23), das jedoch in seiner Philosophie völlig anders ausgelegt ist als ein Formel-2-Auto. Während die F2 bewusst schwerer und träger ist, um das Lernen zu fördern, ist die Super Formula auf reine „High Performance“ getrimmt.

Die Boliden sind leichter und generieren durch ihren ausgefeilten Unterboden und die breiten Flügel extremen Abtrieb („High Downforce“). In den schnellen S-Kurven des legendären Suzuka Circuit erreichen die Super-Formula-Autos Kurvengeschwindigkeiten, die jenen der Formel 1 in nichts nachstehen – und teilweise sogar höher sind als die der F1-Hinterbänkler-Teams. Für die Fahrer ist das eine brutale physische Herausforderung: Die G-Kräfte sind enorm, und das Fenster, in dem die Yokohama-Reifen optimal funktionieren, ist winzig klein. Wer hier schnell ist, hat bewiesen, dass er ein Auto am absoluten aerodynamischen Limit bewegen kann.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal ist das Overtaking System (OTS). Anders als das DRS in der Formel 1, das nur in bestimmten Zonen genutzt werden darf, ist das OTS ein taktisches „Push-to-Pass“-System. Den Fahrern steht pro Rennen eine begrenzte Zeit (meist 200 Sekunden) an zusätzlicher Motorleistung zur Verfügung. Da ein Licht am Überrollbügel („Overtaking Lamp“) anzeigt, wenn ein Gegner das System nutzt, entstehen faszinierende Psychospiele: Täusche ich einen Angriff an, um den Gegner zum Verbrauch seines Boosts zu zwingen, oder spare ich alles für die letzte Runde auf?

Das Sprungbrett der Champions: Die Schumacher-Connection

Die Historie der Serie ist reich an Legenden, auch wenn sich der Name der Meisterschaft mehrfach änderte (von Japanese Formula 2000 über Japanese Formula 3000 und Formula Nippon hin zur heutigen Super Formula). Genau diese Namenswechsel sorgen oft für Verwirrung bei der Recherche, doch die Ahnenreihe ist durchgehend.

Der wohl prominenteste Name, der oft übersehen wird, ist Michael Schumacher. Zwar fuhr er nie in der „Super Formula“ unter diesem Namen, doch sein Gastspiel in der direkten Vorgängerserie Japanese Formula 3000 im Jahr 1991 ist legendär. Am 28. Juli 1991, nur wenige Wochen vor seinem Formel-1-Debüt in Belgien, trat Schumacher für das Team Le Mans auf der anspruchsvollen Strecke in Sugo an. Ohne Erfahrung mit dem Auto oder dem Kurs qualifizierte er sich sofort in der Spitzengruppe und beendete das Rennen als Zweiter. Dieser Auftritt war ein Schlüsselelement für seine Karriere: Er bewies den Entscheidern in Europa, dass Schumacher sich innerhalb von Stunden an ein Auto adaptieren kann, das fast so schnell ist wie ein F1-Bolide.

Sein Bruder Ralf Schumacher nutzte die Serie später noch intensiver als Ausbildungslager. 1996 gewann er die Meisterschaft (nun unter dem Namen Formula Nippon) und sicherte sich damit direkt sein Ticket zu Jordan in die Formel 1. Auch Eddie Irvine, Heinz-Harald Frentzen oder Pedro de la Rosa schliffen ihr Können jahrelang auf den japanischen Kursen, bevor sie Grand-Prix-Sieger wurden.

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In der modernen Ära hat vor allem das Red-Bull-Juniorteam die Super Formula als ultimativen „Reifeprüfung“ entdeckt. Der Gedanke von Dr. Helmut Marko: In der Formel 2 fahren Talente gegen andere Teenager. In Japan fahren sie gegen gestandene Profis, die die Strecken seit zehn Jahren kennen und keine Fehler verzeihen.

  • Pierre Gasly (2017): Der Franzose verpasste den Titel nur um einen halben Punkt, weil das Finale wegen eines Taifuns abgesagt wurde. Seine Performance in Japan war seine Eintrittskarte zu Toro Rosso.
  • Stoffel Vandoorne (2016): Nach seiner Dominanz in der GP2 „parkte“ McLaren ihn in Japan. Er gewann zwei Rennen, darunter in Suzuka, und zeigte, dass er bereit für die Königsklasse war.
  • Liam Lawson (2023): Der jüngste Absolvent. Er gewann gleich sein allererstes Rennen – eine historische Leistung – und kämpfte bis zur letzten Kurve um den Titel.

Rückblick: Die Dramatik der Saison 2025

Bevor wir auf 2026 blicken, ist ein Verständnis der aktuellen Machtverhältnisse wichtig. Die Saison 2025 war geprägt von einem intensiven Duell zwischen den Herstellern Honda und Toyota.

Am Ende war es Ayumu Iwasa, der sich die Krone aufsetzte. Der ehemalige F2-Pilot, der für das Team Mugen (Honda) fährt, lieferte eine fast fehlerfreie Saison ab. Mit seinem Titelgewinn im Finale von Suzuka bestätigte er, warum er lange als Kandidat für ein Formel-1-Cockpit gehandelt wurde. Er besiegte den Titelverteidiger von 2024, Sho Tsuboi (TOM’S / Toyota), in einem Herzschlagfinale. Tsuboi gilt als einer der besten Fahrer weltweit, die nie in der F1 fuhren – ein absoluter Spezialist für die japanischen Strecken. Auch das Team Dandelion Racing zeigte 2025 groß auf und sicherte sich die Teammeisterschaft, angeführt von Tadasuke Makino und Kakunoshin Ohta, die beide konstant um Siege fuhren.

Saisonvorschau 2026: Favoriten, Rookies und neue Allianzen

Der Kalender 2026 beginnt traditionell im März in Suzuka. Die Ausgangslage ist so offen wie selten zuvor, da die Reifenmischungen für die neue Saison leicht angepasst wurden, um mehr strategische Varianz zu erlauben.

Die Favoriten: Wer jagt Iwasa?

Der Mann, den es zu schlagen gilt, ist zweifellos Ayumu Iwasa. Als amtierender Champion geht er mit dem Team Mugen in die Saison. Mugen stellt seit Jahren das Referenz-Paket in der Serie, und mit der Erfahrung aus 2025 wird Iwasa nur noch schwerer zu knacken sein. Sein Fahrstil ist extrem präzise („europäisch“), was ihm im Qualifying oft die Pole Position sichert.

Sein härtester Widersacher dürfte erneut Sho Tsuboi sein. Der TOM’S-Pilot brennt auf Revanche. Tsuboi ist das Gegenteil von Iwasa: aggressiv, spektakulär im Zweikampf und ein Meister darin, seine Reifen über die Distanz zu retten. Ein Auge muss man auch auf Kakunoshin Ohta (Dandelion) werfen. Ohta gilt als das größte rohe Talent im Feld. Er ist unfassbar schnell auf eine Runde, neigte in der Vergangenheit aber zu Flüchtigkeitsfehlern. Wenn er Konstanz findet, ist er ein Titelkandidat.

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Der britische Import: Zak O’Sullivan

Ein spannender Neuzugang aus Europa ist Zak O’Sullivan. Der ehemalige Williams-Junior und Formel-2-Rennsieger (Monaco 2024) wechselt nach Japan zum Traditionsteam Team Impul. Impul, geleitet von der japanischen Rennlegende Kazuyoshi Hoshino, hatte 2025 ein schwieriges Jahr. Dass sie einen talentierten Europäer wie O’Sullivan holen, ist ein Zeichen des Umbruchs.

SF // CALENDAR

2026
RD 01 08. MÄRZ Suzuka Circuit
+

Länge

5.807 km

Kurven

18

Record

1:35.xxx

Der ultimative Test für Mensch und Maschine. Die „Figure-8“ Strecke verzeiht keine Fehler. Hier wird Rovanperä erstmals zeigen müssen, was er kann.

RD 02 19. APRIL Autopolis
+

Länge

4.674 km

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Kurven

19

Reifen

High Wear

Gelegen in den Bergen, oft neblig. Technisch extrem anspruchsvoll mit vielen mittelschnellen Kurven. Physisch sehr belastend.

RD 03 21. JUNI Sportsland SUGO
+

Länge

3.704 km

Kurven

12

Charakter

Narrow

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Klein, eng und gefährlich. Sugo ist bekannt für seine Dramen. „There is a devil living at Sugo“ ist ein bekanntes Sprichwort im Paddock.

RD 04 19. JULI Fuji Speedway
+

Länge

4.563 km

Straight

1.475 km

Aero

Low Drag

Das Revier von Toyota. Die längste Gerade im Kalender sorgt für brutale Windschattenduelle und Überholmanöver mit dem OTS-System.

RD 05 23. AUG Mobility Resort Motegi
+

Länge

4.801 km

Kurven

14

Braking

Extreme

Stop-and-Go Charakteristik. Bremsstabilität und Traktion sind hier wichtiger als reine Aerodynamik. Ein Heimspiel für Honda-Motoren.

RD 06/07 08. NOV Suzuka (The Final)
+

Format

Double Header

Entscheidung

Titelkampf

Der traditionelle Double-Header zum Saisonabschluss (JAF Grand Prix). Hier fällt die Entscheidung zwischen Iwasa und Tsuboi.

Das Experiment des Jahres: Kalle Rovanperä

Es ist die Nachricht, die die Motorsportwelt im Winter erschütterte und die Super Formula 2026 weltweit in die Schlagzeilen brachte: Kalle Rovanperä, der zweifache Rallye-Weltmeister (WRC), wechselt auf die Rundstrecke.

Rennfahrer wechseln oft von der Rundstrecke in den Rallyesport (wie Kimi Räikkönen oder Robert Kubica). Der umgekehrte Weg ist auf diesem hohen Niveau fast präzedenzlos. Rovanperä, der als absolutes „Car Control“-Genie gilt, suchte nach zwei WM-Titeln im Rallye-Auto eine neue Herausforderung und fand sie in Japan.

Sein Team und die Herausforderung

Rovanperä wird für KCMG an den Start gehen. Das Team bietet ihm ein professionelles Umfeld, ist aber kein garantiertes Siegerteam wie Mugen. Sein Teamkollege ist Kenta Yamashita, ein ehemaliger Champion (2019). Für Rovanperä ist Yamashita der perfekte Maßstab – und eine extrem hohe Hürde.

Die Herausforderungen für den Finnen sind gigantisch:

  1. Das „Racecraft“: Im Rallye-Auto kämpft man gegen die Uhr. In der Super Formula stürzen sich 20 Autos gleichzeitig in die erste Kurve von Suzuka. Dieses direkte Duell Rad-an-Rad muss er schnell lernen.
  2. Die Aerodynamik: Ein WRC-Auto generiert Abtrieb, aber es wird oft mit leichtem Drift bewegt. Ein Super-Formula-Auto muss präzise wie ein Skalpell gefahren werden. Ein kleiner Rutscher zerstört die Aerodynamik und kostet Zeit.
  3. Die Physis: Die Nackenmuskulatur wird in den schnellen Kurven extrem beansprucht, ganz anders als bei den Sprüngen im Rallyesport.

Experten sind gespalten. Die einen trauen dem „Wunderkind“ Rovanperä alles zu und erwarten, dass er im Laufe der Saison Punkte holt. Andere warnen, dass der Rückstand an Rundstreckenerfahrung zu groß sei, um gegen Spezialisten wie Iwasa oder Tsuboi zu bestehen. Doch genau diese Ungewissheit macht seinen Einsatz zum Pflichtprogramm.

Mit einem solchen Ausnahmekönner im Cockpit und der offenen Rechnung an der Spitze des Feldes sind die Zutaten für ein historisches Motorsport-Jahr angerichtet.

DRIVER DOSSIER

TARGET LOCKED
Name
Kalle Rovanperä
Geboren
01. Okt 2000
Ort
Jyväskylä, FIN
Status
Red Bull Athlete
Spezialität
Car Control
Nummer
69

Benzin im Blut: Kalle ist der Sohn von WRC-Laufsieger Harri Rovanperä. Er saß nicht im Kettcar, sondern im Rallye-Auto.

Bereits mit 8 Jahren ging ein Video von ihm viral, wie er einen Toyota Starlet driftend über einen zugefrorenen See in Finnland jagte – mit perfekter Fahrzeugbeherrschung. Er gilt als das größte Naturtalent seiner Generation („The Flying Finn 2.0“).

Fun Fact
Startete Karriere in Lettland, da man dort ohne Führerschein fahren durfte.
Weltmeister
2022 & 2023
Rekord
Jüngster Champ

Rovanperä hat die Rallye-Welt im Sturm erobert. Mit nur 22 Jahren wurde er zum jüngsten Weltmeister der Geschichte und brach den Rekord von Colin McRae.

Sein Stil: Eisige Ruhe („Iceman“) gepaart mit brutalem Speed. Neben der WRC dominiert er oft in der Formula Drift Japan, was seine Liebe zum Querfahren auf Asphalt unterstreicht.

„Ich habe im Rallyesport alles erreicht. Jetzt suche ich die ultimative Herausforderung auf der Rundstrecke.“

Der Wechsel in die Super Formula ist historisch. Rovanperä muss seinen Fahrstil komplett umstellen:

  • Vom „Driften“ zum „Clean Driving“.
  • Vom Beifahrer (Notes) zum Alleingang.
  • Von Schotter zu High-Downforce Aero.

Er testete bereits Formel-1-Autos (Red Bull) und fuhr im Porsche Cup, um sich auf dieses Abenteuer vorzubereiten.

Fazit: Warum man 2026 zuschauen muss

Die Super-Formula-Saison 2026 bietet eine explosive Mischung aus Tradition und Experiment. An der Spitze tobt der Kampf der Titanen zwischen Honda (Iwasa) und Toyota (Tsuboi). Im Mittelfeld drängen hungrige Talente wie Ohta und der europäische Import Zak O’Sullivan nach vorne. Und mittendrin versucht der beste Rallyefahrer der Welt, die Gesetze der Physik auf Asphalt neu zu lernen.

Der Favorit: Ayumu Iwasa (Team Mugen) – er hat das Momentum, das Team und die Erfahrung. Der Herausforderer: Sho Tsuboi (TOM’S) – der Routinier will seinen Thron zurück. Man to Watch: Kalle Rovanperä (KCMG) – wird er untergehen oder die Welt erneut schockieren?

Wer echten, ungefilterten Motorsport liebt, kommt 2026 an der Super Formula nicht vorbei. Der Saisonstart in Suzuka wird die ersten Antworten liefern.

UPDATE: Der zweifache Rallye-Weltmeister Kalle Rovanperä muss seinen geplanten Start in der Super Formula 2026 vorerst absagen. Nach der Diagnose eines gutartigen Lagerungsschwindels (BPPV) gab das Team KCMG seinen Rückzug aus der Kampagne bekannt. Reservefahrer Seita Nonaka wird ihn beim Saisonauftakt ersetzen, bevor über die weitere Besetzung entschieden wird. Das zweite KCMG-Auto pilotiert Kenta Yamashita, der nach neun Jahren von Kondo Racing wechselte. Das Duo ersetzt Kamui Kobayashi (jetzt TGMGP) und Nirei Fukuzumi (Rookie Racing).

Transparenz-Hinweis Dieser Artikel wurde unter Einbeziehung von KI-Technologien erstellt. Die thematische Auswahl, Recherche und Prüfung der Fakten liegen vollständig in meiner Verantwortung als Autor. Illustrationen entstehen mittels KI im Ligne Claire Stil, um den visuellen Rahmen dieses Projekts zu wahren. Dieser Hinweis erfolgt im Rahmen des EU AI Acts. Detaillierte Informationen findest du hier: grandprix-geschichte.de/ki-transparenz/
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